Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin eröffnet

Das neue Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde am 13. Mai 2026 feierlich in Würzburg eröffnet. Das landesweite und standortübergreifende Zentrum, das von der Universitätsmedizin Bayern e.V. maßgeblich mit vorangetrieben wurde, soll Forschung, Versorgung und Prävention im Bereich der Infektionsmedizin nachhaltig stärken.
Das BZI vernetzt alle bayerischen Universitäten mit medizinischer Fakultät, die bayerischen Universitätsklinika sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat. Es wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit jährlich rund drei Millionen Euro gefördert.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Das BZI ist eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen der Pandemie – aber mit klarem Blick nach vorne: von neuen Erregern über Resistenzen bis hin zu postviralen Langzeitfolgen. Fakt ist: Infektionsrisiken verschwinden nicht. Die öffentlichen Aktionen von Betroffenen machen den Leidensdruck vieler Patientinnen und Patienten sichtbar. Umso wichtiger ist es, dass Bayern bei Prävention, Forschung und Früherkennung jetzt entschlossen handelt. Mit dem Bayerischen Long-COVID-Register wollen wir Forschung, Versorgung und Erkenntnisgewinn in diesem Bereich gezielt verbessern.“
Früh erkennen, gezielt handeln, wirksam vorbeugen
Das BZI ist geprägt durch zwei zentrale Handlungsfelder, die eng ineinandergreifen. Dazu zählen Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen, also die Prävention und die Früherkennung und das Monitoring bei der Verbreitung von hochrelevanten Infektionserregern in der Bevölkerung und in den bayerischen Kliniken. Entscheidend dafür ist die enge Zusammenarbeit verschiedenster Disziplinen, von der Infektiologie über Mikrobiologie und Immunologie bis hin zu Versorgungsforschung und Public Health.
Entsprechend dieser Handlungsfelder sind auch die zentralen Programmbereiche des BZI gestaltet:

  • Bayerisches Surveillancezentrum (BaySurv): Moderne und kontinuierliche Überwachung relevanter Erreger, einschließlich molekularer Analytik und datenbasierter Auswertung.
  • Bayerisches Vakzinezentrum (BayVak): Forschung zu Impfstoffen, Impfstrategien, klinische Studien sowie wissenschaftlich fundierte Kommunikation rund um das Thema Impfen.
  • Querschnittsprojekt: Bayerisches Long-COVID-Register (BAY-LCR): Systematische Erfassung und wissenschaftliche Untersuchung postakuter Infektionssyndrome wie Long COVID.

Zunehmende Resistenzentwicklung als Herausforderung
Professor Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg, ist Präsident des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin.
Er betont die Vorreiterrolle des BZI: „Infektionen zu behandeln, wird aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung immer schwerer, bei manchen Erregern gibt es gar keine gezielte Therapiemöglichkeit. Daher setzen wir im BZI auf Prävention und Vernetzung! Die gebündelte Expertise der Bayerischen Universitätsmedizin in engem Schulterschluss mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst bildet ein einzigartiges Netzwerk, um neue und gefährliche Erreger früh zu erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.“
Genau diese Aufgaben prägen die entwickelten Programmbereiche des BZI. Professor Klaus Überla, Direktor des Harald-zur-Hausen-Instituts für Virologie des Uniklinikums Erlangen, ist Sektionssprecher des Bayerischen Vakzinezentrums (BayVak) im BZI.
„Impfungen werden seit über 100 Jahren genutzt, um uns vor Infektionserkrankungen zu schützen. Mit dem Bayerischen Vakzinezentrum im BZI wollen wir einen Beitrag zur Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit zugelassener Impfstoffe und zur Entwicklung neuer Immunisierungsverfahren leisten. Wir wollen fachlich fundiert über Nutzen und mögliche Risiken von Impfungen informieren“, so der Erlanger Virologe.
Frühwarnsystem bei der Ausbreitung von Krankheitserregern
Ziel des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) innerhalb des BZI ist es, ein Frühwarnsystem bei der Ausbreitung von Krankheitserregern zu etablieren. Sektionssprecherin des BZI für diesen Schwerpunkt ist Professorin Stefanie Kampmeier, Leiterin der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Universitätsklinikum Würzburg.
„Früherkennung von sich ausbreitenden Krankheitserregern ist ein zentraler Bestandteil der Infektionsprävention. Mit dem Bayerischen Surveillancezentrum (BaySurv) wird ein Frühwarnsystem zur Echtzeiterkennung von Ausbrüchen und Resistenzübertragungen geschaffen. Dadurch ermöglicht BaySurv eine kontinuierliche, repräsentative und zeitnahe Erfassung hochinfektiöser und multiresistenter Erreger, gezielte Infektionskontrollmaßnahmen und stärkt so die evidenzbasierte Pandemievorsorge in Bayern“, erklärt die Würzburger Expertin für Krankenhaushygiene.
Long COVID-Register als Grundlage für verbesserte Versorgung
Der Aufbau des Bayerischen Long COVID-Registers (BAY-LCR) ist ein Querschnittsprojekt unter dem Dach des BZI. Die Leitung hierzu liegt bei Professorin Uta Behrends vom TUM Klinikum Rechts der Isar, dem Universitätsklinikum der Technischen Universität München (TUM).
„Langzeitfolgen von Infektionen verursachen weltweit eine hohe Krankheitslast. Viele Betroffene habe eine reduzierte soziale Teilhabe und Lebensqualität. Ziel des Bayerischen Long COVID-Registers (BAY-LCR) im BZI ist es, Long COVID und ähnliche postinfektiösen Erkrankungen in Bayern strukturiert zu erfassen, besser zu verstehen und auf diese Weise die Grundlage für eine verbesserte Versorgung zu schaffen“, so die Leiterin des Münchner Chronische Fatigue Centrum für Junge Menschen.
„Eine wichtige Lehre der Corona-Pandemie war, dass die großen Stärken und Kompetenzen der Infektionsmedizin an den Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika noch stärker vernetzt und gebündelt werden müssen. Mit dem BZI wurde jetzt dafür in Bayern eine Struktur in der Universitätsmedizin geschaffen, die Vorbildcharakter hat. Das BZI wird so dazu beitragen, neueste Erkenntnisse schnell in der Versorgung anzuwenden und damit den Infektionsschutz auszubauen“, betont Professor Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg.
Website informiert über Ziele und Projekte des BZI
Auf der Website www.bzi-bayern.de stellt das BZI seine Programmbereiche, Projekte und aktuellen Entwicklungen gebündelt vor und macht Informationen zu Forschung, Vernetzung und Aktivitäten des Zentrums öffentlich zugänglich.
Bei der Koordination der standortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Forschung, klinischer Versorgung und öffentlichem Gesundheitsdienst wird das BZI durch eine Geschäftsstelle unterstützt, die in Würzburg angesiedelt ist, und eine Außenstelle der Geschäftsstelle am Uniklinikum Erlangen, die die Koordination für BayVak abdeckt.