Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Earth Observation Research Cluster (EORC) der Universität Würzburg haben am 9. März 2026 das Datenportal EO4CAM (Earth Observation Laboratory for Climate Adaptation and Mitigation) freigeschaltet.
Das Datenportal richtet sich an Kommunen und Behörden in Bayern. Es liefert ihnen zahlreiche Informationen und präzise Landkarten insbesondere für die Bereiche Stadtentwicklung, Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Mit seiner Hilfe soll es künftig möglich sein, Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels besser zu planen und zu bewerten. Weitere Anwendungsfelder sind Georisiken, Biodiversität und Gesundheit.
Grünflächen in der Stadt besser erfassen
Beispiel: Um Städte lebenswert, nachhaltig und klimaresilient zu gestalten, müssen unter anderem ausreichend unversiegelte Flächen erhalten bleiben oder geplant werden. Dafür gibt es viele gute Gründe: Wasser- und Grünflächen kühlen die Stadt, verbessern das Mikroklima, fördern die Biodiversität und helfen, Überschwemmungen zu vermeiden.
„Die verfügbaren Liegenschaftskataster bieten bislang keine ausreichenden Informationen über die Grünflächen in einer Stadt“, so Dr. Tanja Kraus vom DLR. Das neue Portal liefere hier weitaus detailliertere Daten. Tanja Kraus leitet des EO4CAM-Projekt gemeinsam mit Tobias Ullmann, Professor für Geographische Fernerkundung an der Uni Würzburg.
Gefördert vom bayerischen Wirtschaftsministerium
Rund zwei Jahre Arbeit stecken im EO4CAM-Datenportal; das Team vom DLR und der Universität Würzburg besteht aus rund 40 Personen. Von Anfang an hat es bei der Entwicklung eng mit künftigen Nutzern – Stadtverwaltungen, Landesämtern und Ministerien – zusammengearbeitet. Und das wird auch weiterhin so sein, denn das Portal wird bis 2028 weiterentwickelt und ausgebaut.
Finanziell gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.
Staatssekretär Tobias Gotthardt war zur Freischaltung des Portals nach Würzburg gekommen: „Wir holen Erdbeobachtungsdaten aus der Forschung dorthin, wo sie gebraucht werden – nämlich in die Behörden, in die Kommunen, an die Orte, an denen Entscheidungen getroffen werden. Gerade mit Blick auf die zunehmenden Extremwetterereignisse und die Folgen des Klimawandels sind diese Daten Gold wert, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen treffen zu können.“
Anwendungsbeispiel 1: Landwirtschaft mit Weitblick
Die Landwirtschaft in Bayern steht vor großen Herausforderungen durch den Klimawandel: Zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen beeinflussen die Erträge. EO4CAM stellt hier flächendeckende Datensätze zur Bewirtschaftung von Ackerflächen und Grünland sowie zur Landschaftsstruktur zur Verfügung.
Im Datenportal liefern Diagramme mit Kenngrößen für Grünland, Ackerland und Hecken einen schnellen Überblick. Für Feldfrüchte lassen sich etwa die jährlichen Flächenerträge und Flächenanteile bis auf Landkreisebene abrufen.
Die digitalen Karten geben außerdem Einblicke auf Parzellenebene, mit detaillierten Informationen zu Feldfrüchten, Mahd und Hecken in Bayern. Der Heckendatensatz beispielsweise fließt in eine Analyse von EO4CAM, dem Bayerischen Bauernverband Bad Neustadt und der Agrokraft GmbH ein, in der es um die ökonomische Bewertung von Hecken in der Landwirtschaft geht.
Anwendungsbeispiel 2: Wälder zukunftsfähig bewirtschaften
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder in Bayern und Deutschland sind besorgniserregend. Der dadurch begünstige Schädlingsbefall sorgt seit Jahren für hohe Verluste. EO4CAM stellt daher auch Geodaten bereit, die ein landesweites Monitoring der Waldentwicklung und eine klimaangepasste Waldbewirtschaftung unterstützen.
Die Datensätze umfassen essenzielle Waldparameter wie Kronendachverluste und Kronendachhöhe, Bedeckungsgrad, oberirdische Biomasse, Hangneigung und Hangausrichtung. Abrufbar sind räumliche Auflösungen von fünf bis zehn Metern und langjährige Zeitreihen im Monats- bis Jahrestakt. Die Forstwirtschaft und Behörden können dadurch Schutzmaßnahmen, Holzernte, Wiederaufforstung, Feinerschließung und Umbau der Wälder nachhaltig planen.
Schon jetzt nutzen zum Beispiel die Bayerischen Staatsforsten die Daten von EO4CAM für die Lokalisierung von Schadflächen und für weitere Bewirtschaftungsmaßnahmen.
Weitere Informationen zum Datenportal
Die auf dem EO4CAM-Datenportal als Karten oder in Dashboards nutzerfreundlich aufbereiteten Informationen speisen sich aus Satellitendaten, insbesondere von der europäischen Erdbeobachtungsflotte Sentinel, amtlichen Luftbildern und weiteren Geodaten. Über standardisierte Schnittstellen lassen sich die Daten direkt in behörden- oder unternehmenseigene Informationssysteme einbinden oder für die weitere Nutzung herunterladen.
EO4CAM startet mit einer Auswahl verschiedener Datensätze für Bayern. Das Datenportal vereint dabei Produkte, die in langjährigen Forschungsarbeiten entstanden sind, mit projekteigenen Entwicklungen. Die EO4CAM-Gruppe wird in den kommenden Jahren weitere Datensätze entwickeln, und bestehende aktualisieren. An der Uni Würzburg laufen in diesem Zusammenhang aktuell acht Dissertationen. Bislang sind seit 2024 aus dem Projekt rund 60 wissenschaftliche Abschlussarbeiten entstanden.
Weblinks
Datenportal EO4CAM
Pressemitteilung des DLR (mit weiteren Bildern) zum Start des Datenportals
EO4CAM-Webseite der Uni Würzburg
