Ausgezeichnetes Forschungsprojekt: Dr. Lea Schäfer erforscht jiddische Dialekte

In der Nachkriegszeit wurden zwischen 1959 und 1972 Interviews mit rund 1.000 Muttersprachlern des Jiddischen gemacht, die den 2. Weltkrieg überlebt hatten und mittlerweile in den Vereinigten Staaten und Israel lebten. Ziel war es, einen Dialekt- und Kulturatlas des aschkenasischen Judentums im historischen Sprachraum in Europa zu erstellen, der nur in Teilen erschien. Diese Interviews werden nun von Lea Schäfer erstmals systematisch nach syntaktischen Fragestellungen ausgewertet.
Schäfer untersucht zum Beispiel die „Auxiliarselektion“: Im Deutschen besteht eine regionale Präferenz für die Wahl zwischen den Auxiliaren haben und sein in bestimmten semantischen Kontexten, z.B. ich habe/bin geschwommen oder ich habe/bin gesessen. Auch das Jiddische kennt zwei Hilfsverben zayn und hobn. Im Projekt wird u.a. untersucht, wodurch im Jiddischen die Wahl von Hilfsverben bestimmt wird, ob es regionale Unterschiede in den jiddischen Dialekten gibt und wie sich das Jiddische dabei in die europäischen Sprachen einfügt. Insbesondere der mikrotypologische Vergleich ist ein wichtiger methodologischer Ansatz des Projekts.
Neben Analysen zu Einzelphänomenen soll die Gesamtheit der gewonnenen Daten auch geostatistisch ausgewertet werden und Rückschlüsse auf die einzelnen dialektalen Systeme des Jiddischen erlauben. Ergebnisse, Daten und Karten werden in Form von Mikropublikationen auf der Projektwebseite zugänglich gemacht: http://seyd-project.net/
Im Juni 2019 wird im Rahmen des Projekts eine internationale Fachtagung zu aktuellen linguistischen Forschungsarbeiten zum Jiddischen an der HHU veranstaltet.

Weitere Informationen unter http://seyd-project.net/ Twitter @seydproject und http://lea-schaefer.de/