Ab 2018 werden dabei jährlich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Professorinnen und Doktorinnen der HHU eingeladen, um sich über die Einwerbung von Drittmitteln zu informieren. Die Moderation übernahm Dr. Anja Vervoorts, zentrale Gleichstellungsbeauftragte der HHU und Kooperationspartnerin des Projektes.
Das Programm HORIZON2020 ist mit rund 80 Milliarden Euro die größte EU-Forschungs- und Innovationsinitiative. Es existiert seit 2014 und soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union stärken. Als Spezialistin im Thema EU-Förderung war Astrid Schwarzenberger von der Nationalen Kontaktstelle FiF (Frauen in die EU-Forschung) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eingeladen. Ihr Vortrag verdeutlichte, dass sich die bislang zwanzigjährige Zielsetzung einer ausgewogenen Beteiligung von Frauen und Männern an HORIZON2020 der Realität nähert, jedoch überwiegt bei Forschungspersonal, Gutachtern und Koordinatoren weiterhin der Anteil an Herren. Allerdings versucht das Programm, frauenspezifische Angelegenheiten wie beispielsweise den Mutterschutz zu berücksichtigen. In den zwei großen Schwerpunkten von HORIZON2020, 'Societal Challenges' und 'Industrial Leadership', kann die Kommission wichtige politische Ziele wie saubere Energie, Internet der Zukunft oder sichere Gesellschaften in Top-Down-Forschungsprogrammen verankern. Für den dritten Programmbereich 'Excellent Science' gilt ein Bottom-up-Ansatz; hierbei dürfen sich Promovierte aller Forschungsgebiete bewerben und ihr Forschungsthema selbst festlegen. Ein solches Bottom-Up Projekt leitet auch HHU-Professorin Laura Kallmeyer. Ihr Forschungsprojekt "TreeGraSP" beschäftigt sich mit Computerlinguistik und wird mit einem Consolidator Grant in der Förderlinie ERC (für Bewerber mit zwei bis sieben Jahren nach Promotion) von HORIZON2020 finanziert. Als Referentin stellte sie beim "EU-EXPERTS" Treffen dar, was ihr bei ihrer damaligen Bewerbung besonders geholfen hatte. Es handele sich bei dieser Bewerbung um deutlich mehr Aufwand, äußerte sich Kallmeyer, aber ,,es lohnt sich''. Neben Prof. Kallmeyer stellte auch Prof. Dr. Ilka Axmann ihr gefördertes Projekt "RiboNets" in der Förderlinie FET Open vor. Ihr Forschungsprojekt war unter 83 weiteren Bewerbungen auf dem Gebiet der synthetischen Biologie ausgewählt und mit knapp 1 Millionen Euro bezuschusst worden. Somit konnte sie, zusammen mit einem großen Team an Postdocs und wissenschaftlichen Mitarbeitern, die Konstruktion RNA-basierter Schalter in Angriff nehmen. Auf die Frage, ob sie es für sinnvoll betrachte, dass Frauen in der heutigen Zeit zusätzlich gefördert werden, antwortet die wissenschaftliche Mitarbeiterin Melanie Stralla: ,,Auf jeden Fall. Wenn man sich in den Universitäten und Forschungszentren die Professoren, Doktoren und Drittmittelerwerber anschaut, sind es zum Großteil immer noch Männer. Sie müssen ja auch nicht so stark mit Karriere und Familienplanung jonglieren. Bis das Verhältnis ausgeglichener ist, betrachte ich eine zusätzliche Förderung von Frauen in der Wissenschaft als wichtig''. Und die Zahlen geben ihr Recht. Denn auch in der EU-Förderung durch HORIZON2020 sind von allen deutschen Geförderten immer noch weniger als ein Drittel Frauen - je höher man in der Karriereleiter nach oben blickt, desto geringer wird der Anteil.
