Im Rahmen der Tagung „Physiognomien des Lebens: Anthropologie, Medizin, Kultur“ (Organisation: Prof. Dr. Vittoria Borsò; Jun.-Prof. Sieglinde Borvitz; Dr. Luca Viglialoro), die in Kooperation mit der Universität Palermo vom 12. bis 14. September im Haus der Universität stattfindet, werden philosophisch-literarische Reflexionen über Körperbewegungen und Körpermerkmale, welche aus der wissenschaftlichen Tradition der sogenannten Physiognomik stammen, analysiert. Es sollen Rückschlüsse über die Art und Weise gezogen werden, wie sich kulturelle Konstrukte bilden und inwiefern der Körper ein unverzichtbares Medium für die Kommunikation repräsentiert.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ging die Physiognomik (von Lavater bis Mantegazza) von der Annahme aus, Verhalten- und Denkweisen ließen sich anhand der Ausgestaltung menschlicher Körper erschließen, weshalb eine erneute Untersuchung dieser Wissenschaft, wie sie im Laufe der Tagung durchgeführt wird, eine besondere Aktualität erhält. Modifikation, Verlängerung, Verschönerung und Markierung von Körpern werden im Rahmen der Tagung als physiognomische Strategien verstanden, Wahrnehmungsmuster einer neuen Epoche anzupassen, die die Kultur als Reflex der Natur und deren Erscheinungsformen betrachtet.
Die Tagungsbeiträge von prominenten Philosophen und Kulturwissenschaftlern wie u.a. Jean-Luc Nancy, Thomas Macho, Vittoria Borsò, Beate Ochsner oder Andrea Pinotti werden auf unterschiedliche Art und Weise der Frage nachgehen, ob der Physiognomik heute eine privilegierte Rolle unter den Wissenschaften zukommt, um die Gesichtszüge und Gesten des Lebens im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zu entziffern.
