Jiddisches Europa

Im Unterschied zu den meisten Nationalkulturen Europas entstand die moderne jiddische Kultur in geografisch auseinanderliegenden Landschaften und ohne den Rückhalt eines Nationalstaates. Sie bewahrte bei aller Unterschiedlichkeit ihren Zusammenhalt quer durch die verschiedenen Mehrheitskulturen und jenseits aller nationalstaatlichen Grenzen. Der geographisch fragmentierte Kulturraum und die Vorstellungen hinter dem Begriff „Jiddischland“, die sprachliche und weltanschauliche Verbundenheit dieser transnationalen Gemeinschaft, werden bei der Tagung umrissen.
Wie haben sich die jiddischen Visionen von „Kultur“ und „Nation“ zu anderen Programmen und Utopien im Europa dieser Zeit verhalten? Die jüdische Renaissance in Europa entstand in engem Kontakt mit den herrschenden Kulturen, vor allem der russischen, deutschen und austro-ungarischen. Die polyglotten jüdischen Europäer verstanden jiddische Kultur transkulturell: jenseits eines Konflikts von Eigen- und Fremdkultur. Sie engagierten sich für den völkerübergreifenden Entwurf einer „Kulturnation ohne Staat“ und beteiligten sich zugleich an den sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen Europas. Dieser Beitrag der jiddischen Gemeinschaft wurde von den zunehmend nationalistisch und antisemitisch geprägten Mehrheitskulturen überwiegend nicht anerkannt und nicht gewollt.
Die Tagung lenkt die Aufmerksamkeit auf die kulturellen Ausdrucksformen des „jiddischen Europa“. Sie will dazu anregen, die jiddischen Konzepte als integralen Teil der europäischen Ideengeschichte zu betrachten und damit das vom überlieferten Geschichtskanon geprägte Bild Europas um einen wenig bekannten, aber wesentlichen Erzählstrang zu bereichern.
Im Rahmen der Tagung finden drei öffentliche, kostenfreie Veranstaltungen statt, bei denen der wissenschaftliche Austausch nicht im Vordergrund steht und zu denen die Bürgerinnen und Bürger in besonderem Maße herzlich eingeladen ist:

  • Eröffnung der Ausstellung Jüdische Künstler in jiddischen Büchern und Zeitschriften. Russische Künstler aus der Sammlung LS des Van Abbemuseum Eindhoven 4. Juni 2018, Goethe Museum, Jacobistraße 2, 40211 Düsseldorf, 18:00 Uhr
  • Vortrag von Prof. Dr. Efrat Gal-Ed: Jiddischland – Verheißung einer Zugehörigkeit 4. Juni 2018, Goethe Museum, Jacobistraße 2, 40211 Düsseldorf, 19:30 Uhr
  • Konzert: Zwischentöne – Poetry and Songs from Yiddishland Gesang: Bavat Marom (Mezzosopran), Klavier: Eyal Bat 5. Juni 2018, Haus der Universität, Schadowplatz 14, 19:30 Uhr

Programm:Informationen zum Programm in engl. Sprache