Anlass bieten die aktuell in der Öffentlichkeit zum Teil hitzig und oft nur einseitig geführten Debatten um das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft: Dazu gehört zunächst die Diskussion um die Entfernung des Gedichts „Avenidas“ von Eugen Gomringer von der Südfassade der Alice-Salomon-Hochschule Berlin auf Anregung der dortigen Studierendenvertretung. Ebenso aktuell sind die Debatten um Autoren, die sich selbst als Meinungsmacher in die politische Debatte einbringen und so Polemiken auslösen, wie Uwe Tellkamp mit der Äußerung seines Generalverdachts, der Großteil der nach Deutschland Geflüchteten wolle in die Sozialsysteme einwandern. Der Skandal um die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang und die Frage der Reaktion darauf von anderen Musikern, wie Campino zeigt, wie die Sprache der Musikkultur Auslöser für öffentliche Debatten sein kann. Und auch das Aussetzen des Literaturnobelpreises für das Jahr 2018 aufgrund der ungeklärten Zustände im Entscheidergremium fordert zu einer kritischen Bestands- undStellungnahme heraus.
Man kann dies als „dumme Rempeleien von links und rechts“ betrachten, wie der Lyriker Durs Grünbein, der sich auf diese Art der Diskursbildung nicht einlassen möchte. Man kann diese Vorfälle jedoch auch als Indikatoren für eine gesellschaftliche Konfliktsituation lesen und problematisieren, um so eine Sensibilisierung für öffentliche Meinungsbildung zu erreichen und der Frage nachzugehen, welche Rolle der Literatur heute zukommt.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, dies offen und kontrovers zu diskutieren. Anmeldung bitte unter Maike.Beier@uni-duesseldorf.de
Programm:
2.7.2018, 11-15.30 Uhr, Berger Kirche
Von Macht und Ohnmacht der Literatur. Workshop mit Prof. Dr. Rainer Fretschner, PD Dr. Vera Gerling, Dr. Jasmin Grande, Dr. Verena Meis, Dr. Angela Weber
2.7.2018 18 Uhr, Haus der Universität Düsseldorf
Das eigene Andere – autoritäre Normierung von Identität bei den Neuen Rechten. Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Rainer Fretschner
7.7.2018, 16 Uhr, Heine Haus Literaturhaus Düsseldorf
„Punk macht mich genauso an wie ein schöner Gustav Mahler.“ Text Ton Agitation bei Floh de Cologne. Ausstellung und Gespräch. Mit Dieter Klemm (Floh de Cologne), Björn Beneditz (Deichkind), Felix Klopotek („Zonen der Selbstoptimierung“). Moderiert von Philipp Holstein
OrganisatorInnen:
Prof. Rainer Fretzschner, Professor für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt alte Menschen / Soziale Gerontologie, Alice-Salomon-Hochschule Berlin
Dr. Jasmin Grande, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Dr. Angela Weber: Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Dr. Verena Meis: Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
PD Dr. Vera Gerling: Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
