Den Auftakt zum SZ Digitalgipfel machte Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger mit einer Keynote zur Staatsmodernisierung im digitalen Zeitalter. Er betonte, dass leistungsfähige Infrastruktur und eine moderne Verwaltung zentrale Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit seien. Dabei sei ein wichtiger Schritt die Entwicklung einheitlicher Standards für digitale Verwaltungsstrukturen – etwa durch eine souveräne Cloud-Infrastruktur, über die künftig Bürger-Apps, digitale Verwaltungsservices und KI-Anwendungen laufen sollen.
Erste Anwendungen zeigen bereits, welches Potenzial darin liegt: KI-Agenten können komplexe Verwaltungsprozesse automatisieren und so erhebliche Zeitersparnisse ermöglichen. Gleichzeitig warnte Wildberger davor, den Enthusiasmus für technologische Innovation von Sicherheitsfragen zu entkoppeln. Digitale Souveränität bedeute deshalb nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, selbstbestimmt über Technologien, Daten und Partnerschaften zu entscheiden.
Da geht viel Herzblut rein, wohl wissend, dass es ein langer Weg wird.
Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung
KI zwischen Faszination und gesellschaftlichen Herausforderungen
Ein weiterer Schwerpunkt des SZ Digitalgipfels lag auf den gesellschaftlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz. Dabei ging es nicht nur um technologische Entwicklungen, sondern auch um psychologische und gesellschaftliche Dynamiken. Studien zeigen bereits, dass ein wachsender Anteil von Menschen emotionale Beziehungen zu KI-Systemen aufbaut. Solche Entwicklungen könnten weitreichende gesellschaftliche und sogar geopolitische Folgen haben, da Menschen in Beziehungen häufig Werte und Einstellungen ihrer Gegenüber übernehmen. Die Diskussionen machten deutlich, dass einfache Verbote im Umgang mit digitalen Plattformen und KI-Systemen selten zielführend sind. Stattdessen brauche es mehr Medienkompetenz, stärkere Schutzmechanismen und verantwortungsvolle Regulierung.
Das bidt war mit einem Stand vor Ort vertreten und bot Einblicke in seine Forschung zur digitalen Transformation.© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
„It is up to us“
Auch Professor Julian Nida-Rümelin, Mitglied des bidt-Direktoriums, betonte bei seinem Impuls, dass technologische Entwicklung stets gestaltbar und steuerbar sei.
It is up to us.
Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin
Zum Profil
Er warnte zugleich vor neuem Futurismus, indem er Kritik an tech-libertären Ideologien übte. Technologie müsse ein Instrument bleiben, das menschliche Fähigkeiten ergänzt, statt sie zu ersetzen.
© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
KI in Wirtschaft und Industrie
Wie KI bereits heute Wirtschaft und Industrie verändert, wurde ebenfalls vielfach diskutiert. Besonders im Gesundheitsbereich sehen Forschende enormes Potenzial für KI-gestützte Analysen – etwa bei der Entwicklung neuer Therapien für metabolische oder neurologische Erkrankungen. Gleichzeitig entstehen neue Technologien, die KI mit Robotik verbinden. Zukunftsweisend seien sogenannte „Action Models“, die Maschinen befähigen, physische Handlungen in der realen Welt zu verstehen und auszuführen. Einigkeit bestand darüber, dass KI den Menschen nicht ersetzen, sondern vor allem menschliche Arbeit ergänzen werde.
Europas digitale Zukunft gestalten
Im Panel „Was Europa kann“ diskutierte bidt-Direktoriumsmitglied Professor Thomas Hess mit Nicole Büttner (FDP-Generalsekretärin und CEO von Merantix Momentum) und Frank Karlitschek (CEO von Nextcloud) über Europas Rolle im globalen digitalen Wettbewerb.
Hess betonte dabei, dass der Durchbruch von ChatGPT vielen europäischen Akteuren erstmals deutlich gemacht habe, wie schnell sich die technologischen Kräfteverhältnisse verschieben. Dies habe den Handlungsdruck in Europa deutlich erhöht. Gleichzeitig warnte er vor einem zu pessimistischen Narrativ über Europas digitale Fähigkeiten.
Europas Stärke liege nicht im globalen Software-Massenmarkt, sondern in der Verbindung digitaler Technologien mit industriellen Anwendungen, etwa in Robotik, Labortechnik oder Produktion. In diesen Bereichen verfüge Europa über tiefes Fachwissen und spezialisierte Datensätze.
Digitale Souveränität bedeute daher nicht vollständige Autarkie. Entscheidend sei vielmehr, strategisch zu erkennen, in welchen Bereichen Unabhängigkeit wirklich notwendig sei. Gleichzeitig müsse Europa stärker auf Kooperation und regionale Innovationsnetzwerke setzen. Innovation entstehe selten isoliert – Fortschritt brauche Austausch, gemeinsame Ökosysteme und die Bereitschaft, neue Lösungen einfach auszuprobieren.
Nicole Büttner (Generalsekretärin FDP und CEO, Merantix Momentum), Lisa Nienhaus (Moderation), Frank Karlitschek (CEO, Nextcloud), Thomas Hess (bidt, LMU München) (v.l.n.r.).© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
KI als Werkzeug – nicht als letzte Entscheidungsinstanz
Eine ethische Perspektive auf KI brachte die Keynote „The Futurist: Darf KI über Leben und Tod entscheiden?“ von Alena Buyx, Professorin für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München. Buyx machte deutlich, dass KI-Systeme zwar enorme analytische Fähigkeiten besitzen, jedoch kein Verständnis für die komplexen sozialen, emotionalen und moralischen Dimensionen menschlicher Entscheidungen haben. Gerade in sensiblen Bereichen wie der Medizin könne eine scheinbar kleine Fehlerquote dramatische Folgen haben.
Ein Algorithmus versteht nicht, worum es geht, wenn es um Leben und Tod geht. Wenn wir die Letztverantwortung an KI übergeben, nehmen wir sie aus der Hand von Medizinerinnen und Medizinern – und legen sie in die Hände derer, die die Algorithmen bauen.
Prof. Dr. med. Alena Buyx, Inhaberin des Lehrstuhls für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München
KI sei daher ein wertvolles Instrument zur Unterstützung menschlicher Entscheidungen, dürfe jedoch keine letzte Entscheidungsinstanz in Fragen von Leben und Tod sein. Verantwortung müsse weiterhin bei den Menschen liegen, die Technologien entwickeln und einsetzen.
Fazit
Der SZ Digitalgipfel machte deutlich, dass Europas digitale Zukunft von mehreren Faktoren abhängt: leistungsfähiger Infrastruktur, Zugang zu Daten und Rechenkapazität, gezielten Investitionen sowie einem engen Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Nur wenn es gelingt, diese Elemente zu verbinden, kann Europa im globalen Wettbewerb um Technologien wie Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und Cyber Security eine starke und selbstbestimmte Rolle einnehmen.
Bildergalerie
© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
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Abendveranstaltung / Get togehter mit Buffet und DJ.© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
bidt-Direktor Professor Julian Nida-Rümelin.© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
bidt-Direktor Professor Julian Nida-Rümelin.© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
bidt-Direktor Professor Thomas Hess.© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
Nicole Büttner (Generalsekretärin FDP und CEO, Merantix Momentum), Lisa Nienhaus (Moderation), Frank Karlitschek (CEO, Nextcloud), Thomas Hess (bidt, LMU München) (v.l.n.r.).© Jens Hartmann/SZ Digitalgipfel
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