Digitale Formate der Wissenschaftskommunikation ermöglichen es, Forschung sichtbar zu machen, Netzwerke aufzubauen und gezielt unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Diese Formate bieten zudem die Chance, eigene Themen unabhängig von bestehenden strukturellen Barrieren zu setzen und so Kooperationen zu fördern, Fördermittel zu erschließen und die eigene Position im Fach zu stärken.
Strategisch müssen zwei Bereiche berücksichtigt werden: die Voraussetzungen zu schaffen, von der Öffentlichkeit gefunden zu werden, und die eigene Forschung selbst in die Öffentlichkeit zu tragen.
Von der Öffentlichkeit gefunden werden und sich vernetzen
Digitale Sichtbarkeit beginnt damit, gefunden zu werden, und entfaltet ihren vollen Wert erst durch Vernetzung. Dafür greifen verschiedene Kanäle ineinander: eine eigene Website als stabile Basis sowie aktive, einheitliche und verknüpfte Profile auf sozialen Medien und in relevanten Online-Communitys.
Eine persönliche Website ist weit mehr als eine digitale Visitenkarte. Gerade weil Journalist:innen, Kooperationspartner:innen oder Fördermittelgeber gezielt online nach Expert:innen suchen, ist ein klar strukturierter und aktueller Webauftritt entscheidend. Gut aufbereitete Informationen zu Forschungsschwerpunkten, laufenden Projekten sowie Publikationen, (akademischen) Vorträgen oder kurze Einordnungen aktueller Themen erhöhen die Chance, wahrgenommen und angefragt zu werden. Eine aktiv gepflegte institutionelle Profilseite kann als Minimalvariante einer persönlichen Website dienen, ohne selbst viel Aufwand betreiben zu müssen.
Sichtbarkeit entsteht jedoch ebenfalls durch Aktivität: Es sollten Beiträge geteilt, auf andere reagiert, Fragen gestellt und Diskussionen mitgestaltet werden. Digitale Sichtbarkeit ist eng mit digitalem Networking verknüpft: Erst durch Interaktion entstehen Kontakte, Kooperationen und langfristige Beziehungen. Dabei kann es hilfreich sein, sich zunächst auf einen Kanal zu konzentrieren und dort gezielt ein Netzwerk aufzubauen.
Wer Auffindbarkeit und Vernetzung strategisch kombiniert, steigert die Reichweite der eigenen Forschung nachhaltig.
Auf die Öffentlichkeit zugehen: Übersicht über verschiedene Formate
Um die eigene Forschung selbst in die Öffentlichkeit zu tragen, gibt es eine Vielzahl an (digitalen) Möglichkeiten und Formaten. Diese lassen sich nach Zielgruppe (breite Öffentlichkeit vs. Fachpublikum) sowie nach Format (schriftlich vs. mündlich) einordnen.
Abbildung 1. Formate der (digitalen) Wissenschaftskommunikation.
Schriftliche Formate für die breite Öffentlichkeit
Diese Formate zielen darauf ab, komplexe Themen in einer leicht verständlichen, oft narrativen Sprache ohne viel Fachjargon zu vermitteln.
Populärwissenschaftliche Bücher richten sich an Laien mit einem starken Interesse an Wissenschaft. Artikel beziehungsweise Gastbeiträge in Zeitungen oder Zeitschriften erreichen ein großes Publikum und eignen sich dafür, aktuelle Debatten wissenschaftlich einzuordnen. Pressemitteilungen werden in der Regel in Zusammenarbeit mit der Pressestelle der eigenen Universität verfasst und richten sich primär an Journalist:innen, um ihnen eine Zusammenfassung eines Forschungsergebnisses zur weiteren Berichterstattung zu bieten. Schriftliche Interviews (im Q&A-Format) werden in Magazinen, Zeitungen oder Onlineportalen als klassischer Frage-Antwort-Text veröffentlicht. Digital besonders geprägte Formate wie Wissenschafts-Blogs oder Social-Media-Posts erlauben erzählerische und in der Gestaltung freiere Darstellungen, zum Beispiel zum Laboralltag oder neuen eigenen Studien.
Mündliche und audiovisuelle Formate für die breite Öffentlichkeit
Hier stehen oft das „Storytelling“, die Begeisterung für das Thema und die nahbare Persönlichkeit der Forschenden im Vordergrund.
Bei Science Slams präsentieren Forschende ihre Arbeit in wenigen Minuten unterhaltsam und für Laien verständlich auf einer Bühne. TEDx Talks sind ähnlich gestaltet, jedoch stärker formalisiert und oft emotionaler inspiriert. Öffentliche Vorträge, zum Beispiel an Volkshochschulen (VHS), holen die Menschen direkt in ihrem Alltag ab und machen ihnen vielfältiges akademisches Wissen zugänglich. Radio- und TV-Interviews sind zumeist zeitlich knapper gestaltet, während Podcast-Interviews in wissenschaftlichen Formaten Raum für tiefere Gespräche in lockerer Atmosphäre bieten. Andere digital besonders geprägte Formate wie Kurzvideos/Social-Media-Reels, zum Beispiel TikTok, Instagram-Reels, YouTube-Shorts, gestatten Forschenden große Freiheiten bei ihrer Gestaltung, erfordern jedoch ansprechendes visuelles Storytelling und eine schnelle Taktung, um komplexe wissenschaftliche Inhalte in wenigen Sekunden bis Minuten unterhaltsam, prägnant und reichweitenstark zu vermitteln.
Schriftliche Formate für ein Fachpublikum
Dies sind klassische akademische Publikationsformate in hochgradig formalisierter und präziser Sprache, die Vorwissen sowie Kenntnisse von Methodik voraussetzen.
Fachbücher/Monografien schaffen Raum für ausführliche, tiefgehende wissenschaftliche Abhandlungen. Fachartikel/Paper (Peer Reviewed) können in Fachzeitschriften oder Tagungs-/Konferenzbänden (Proceedings) erscheinen und unterliegen strenger Begutachtung durch andere Forschende, während Preprints Vorabveröffentlichungen von Studien darstellen, um Ergebnisse schnell mit der Fach-Community zu teilen. Policy Paper/Whitepaper richten sich an ein spezifisches Fachpublikum aus Politik und Verwaltung. Sie bereiten Evidenz für politische Entscheidungsträger auf.
Mündliche Formate für ein Fachpublikum
Ihr Fokus liegt auf fachlichem Austausch, Networking und der Diskussion von unfertigen oder publizierten Ergebnissen.
Durch Konferenzvorträge oder Posterpräsentationen werden aktuelle Forschungsergebnisse von internationalen Kolleg:innen präsentiert. Gastvorträge werden auf Einladung an einer anderen Universität oder Forschungseinrichtung, häufig im Rahmen einer Lehrveranstaltung, gehalten. Kolloquien/Brownbag-Seminare werden üblicherweise ebenfalls an Universitäten gehalten und erlauben sehr detaillierte Diskussionen über Methodik und Inhalte. Keynotes sind Hauptvorträge auf Fachtagungen oder Konferenzen, in der Regel auf Einladung hin, die das übergeordnete Thema der Veranstaltung einleiten oder visionäre neue Denkanstöße geben. Panel-Diskussionen stellen öffentliche Diskussionen mit anderen Expert:innen dar.
Fazit
Viele erfolgreiche Wissenschaftler:innen kombinieren diese Formate. Durch die digitale Transformation der Medienwelt, Open-Access-Formate von Publikationen oder digitale Aufzeichnungen von Vorträgen können wissenschaftliche Erkenntnisse schneller und weitreichender an die breite Öffentlichkeit oder an ein Fachpublikum kommuniziert werden. Gleichzeitig bringt die daraus entstehende öffentliche Aufmerksamkeit Chancen und Risiken für die eigene Forschung mit sich.
An dieser Schnittstelle setzt auch der bidt-Arbeitskreis „Research for the Public“ an, aus dem dieser Beitrag hervorgegangen ist. Wie Forschende souverän mit öffentlicher Aufmerksamkeit umgehen und sich auf kontroverse Themen sowie gesellschaftliche Debatten vorbereiten können, steht im Mittelpunkt eines zweiten Blogbeitrags.
Teil 2
Digitale Wissenschaftskommunikation: Strategien für Medienarbeit und öffentliche Konflikträume (Teil 2/2)
Zum Arbeitskreis
bidt-Arbeitskreis „Research for the Public“
Weiterführende Informationen
Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation
Organisation der Wissenschaft für Wissenschaftskommunikation in Deutschland (Wissenschaft im Dialog)
London School of Economics and Political Science Blog: Impact of Social Sciences
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Wissenschaftskommunikation
Wissenschaftskommunikation.de: Formate
Wissenschaftskommunikation.de: Digitale Sichtbarkeit beginnt mit der eigenen Website
SocialHub: Erfolgreiche Social Media Strategie für Universitäten: Insights von Corinna Schmid, Universität Hohenheim
Blog der Universität Salzburg: Wie Forscher*innen digital sichtbar werden: 10 Schritte
Die vom bidt veröffentlichten Blogbeiträge geben die Ansichten der Autorinnen und Autoren wieder; sie spiegeln nicht die Haltung des Instituts als Ganzes wider.
Der Beitrag Digitale Wissenschaftskommunikation: Wege zur digitalen Sichtbarkeit (Teil 1/2) erschien zuerst auf bidt DE.
