Sonderforschungsbereiche ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben im Verbund.
Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden unter Aortenerkrankungen. Bei der Aorta handelt es sich um die Hauptschlagader, die das Blut aus der linken Herzkammer in die Gefäße des großen Blutkreislaufs leitet. An ihr kann es zu Ausbuchtungen (Aneurysmen) und Rissen (Dissektionen) mit tödlichen Blutungen kommen. Zum Erkrankungssprektrum zählen auch Veränderungen der Aortenklappe - eine Herzklappe, die direkt an der linken Herzkammer den Rückfluss des Blutes verhindert.
"Leider gibt es bis heute noch kein genaues Verständnis der Ursachen dieser Erkrankungen", sagt Prof. Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn, Sprecher des neuen transregionalen Sonderforschungsbereichs. Bislang können Ärzte lediglich die defekte Herzklappe oder die zu stark erweiterte Hauptschlagader ersetzen. Nickenig: "Dies ist allerdings eine unbefriedigende Situation, da es besser wäre, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um das weitere Fortschreiten zu verhindern." Ziel der Wissenschaftler aus drei Universitäten ist es nun, das Verständnis fundamentaler Prinzipen in der Entstehung und Entwicklung von Erkrankungen der Aorta zu erweitern.
Stellvertretende Sprecher des neuen transregionalen Sonderforschungsbereichs sind Prof. Dr. Malte Kelm, Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, und Prof. Dr. Stephan Baldus, Klinik III für Innere Medizin, Universitätsklinikum Köln. Die beteiligten Institute und Kliniken der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Universitätsklinikums Düsseldorf sind die Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, die Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie, das Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie sowie das Institut für Molekulare Kardiologie.
In den Düsseldorfer Projekten steht zum einen die Entwicklung von Aneurysmen der Bauchaorta im Fokus. Untersucht wird die Rolle von Thrombozyten (Blutplättchen) bei der Entstehung dieser Aneurysmen: Zelluläre und molekulare Prozesse im Rahmen von Entzündungen der Gefäßwand verändern deren Struktur. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Aneurysmen und anderen Erkrankungen der Lebenslinie des Menschen.Die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler betrachten auch den Einfluss geänderter Kenngrößen des Blutflusses und der physikalischen Belastung auf die Entwicklung anderer aortaler Erkrankungen, insbesondere der Aortenklappenstenose und Aneurysmen der Aorta ascendens, der aufsteigenden Hauptschlagader, mittels innovativer magnetresonanzgestützter Bildanalysen. Schließlich analysiert ein weiteres Projekt die Bedeutung der Hyaluronsäure als Baustoff der Gefäßwände der "extrazellulären Matrix" bei aortalen Bauchaortenaneurysmen.
Kardiovaskuläre Forschung ist ein Forschungsschwerpunkt der Düsseldorfer Universitätsmedizin. In den letzten Jahren wurden in diesem Forschungsbereich einige interdisziplinäre Forschungsverbünde etabliert, so der SFB 1116 "Master switches in cardiac ischemia", der sich bereits in der zweiten Förderperiode befindet, und das Internationale Graduiertenkolleg (IRTG) 1902.
